Bisher bei Seret: Humor im FilmJuden unterhalten die Welt

Sonntag, 2. September 2012, 11 bis 19 Uhr

Portrait aus «The Infidel (Alles Koscher)»

THE INFIDEL (ALLES KOSCHER)

ICZ Gemeindezentrum Lavaterstrasse 33, 8002 Zürich
Eintritt frei

Beschrieb

Wo die Lebensumstände schwierig, vielfach tragisch sind, gedeihen Humor, Witz, Ironie oder auch Sarkasmus. Was Wunder, dass diese Arten dem Leben zu begegnen zu einer nicht nur, aber doch vielfach jüdischen Spezialität geworden sind. Eine Spezialität allerdings, die von Menschen aller Religionen, Kulturen und Länder meist auf Anhieb verstanden wird. Zum Europäischen Tag der jüdischen Kultur zeigt Seret Filme aus den USA, aus Europa und Israel, die das Publikum zum Lachen, aber auch zum Nachdenken bringen werden..

Verpflegungsmöglichkeit in den Pausen (Salziges und Süsses aus dem Olive Garden)

Programm

11.00 Saal 1
TAKE THE MONEY AND RUN

Regie und Hauptdarsteller: Woody Allen
USA 1969 / 85 Min. / ab 12 Jahren
In Absprache mit dem Publikum wird der Film in der englischen Originalversion oder der deutschen Synchronfassung gezeigt.

Dies ist Woody Allens zweite Kinoproduktion aus dem Jahre 1969, in der er das Genre des «Mockumentery», eine Komödie in Form einer Dokumentation aufgebaut, begründet.

Allen selber spielt darin den Kriminellen Virgil Starkwell. Aus ärmsten Verhältnissen stammend, ist er schon früh mit den Problemen der sozialen Unterschicht konfrontiert und versucht dieser – mittels Überfällen und kriminellen Aktionen – zu entkommen. Dabei werden ihm stets seine tollpatschige und neurotische Art und das Pech zum Verhängnis. Mehrmals gelingt es ihm, aus dem Gefängnis zu entkommen, doch wird er nach kurzer Zeit in Freiheit immer wieder gefasst. Schlussendlich wird Virgil zu achthundert Jahren Gefängnis verurteilt, wobei er sich erhofft, bei guter Führung nur die Hälfte davon absitzen zu müssen. Trotzdem ist auch sein nächster Ausbruch bereits in Planung...

Eine hintergründige Komödie, die trotz allen Slapsticks, nicht einer gewissen Tragik entbehrt und die von der Improvisationskunst des Regisseurs, Autors und Hauptdarstellers Woody Allen lebt.

11.00 Saal 2
LES AVENTURES DE RABBI JACOB

Regie: Gérard Oury, Star: Louis de Funès
Frankreich/Italien 1973 / F/d / 100 Min. / ab 6 Jahren

In diesem Film, der zu seinen bekanntesten gehört, ist Louis de Funès ganz in seinem Element: In der turbulenten Verwechslungskomödie spielt er den rassistischen Industriellen Pivert (zu Deutsch Buntspecht), der zur Hochzeit seiner Tochter eilt. Diese Fahrt nimmt jedoch ein jähes Ende, als sein jüdischer Chauffeur die Arbeit wegen des Beginns von Schabbat niederlegt und von Pivert daraufhin entlassen wird. Dieser gerät, nun auf sich allein gestellt, bald ins Visier eines Killerkommandos, das es auf den arabischen Revolutionär Slimane (Claude Giraud) abgesehen hat. Slimane zwingt Pivert, ihm zur Flucht zu verhelfen. Gejagt von den Killern, der Polizei und von Piverts Gattin schlüpfen die beiden ungleichen Protagonisten in die Rolle von Rabbis und tauchen vorerst unerkannt in der jüdischen Gemeinde von Paris unter. Bis zu ihrer Entlarvung und dem obligaten Happy End stiften sie dort in Unkenntnis der Sitten und Gebräuche einige Verwirrung und legen darüber hinaus eine kultverdächtige Tanzeinlage ein.

Der Film wurde 1975 für den Golden Globe Award in der Kategorie «Bester fremdsprachiger Film» nominiert.

13.00 Saal 1
SERES QUERIDOS

Regie: Dominic Harari und Teresa Pelegri
Spanien 2004 / 93 Min. Sp/d / ab 6 Jahren

Ein dynamisches Duo hat ein Interviewer das Filmemacher (Ehe-)Paar Teresa Pelegri und Dominic Hariri genannt. Und ein talentiertes Duo. Gemeinsam sind sie für Drehbuch und Regie von «Seres Queridos» verantwortlich. Mit einem sicheren Gespür für Witz und Ironie haben die beiden Beobachtungen und Erlebnisse im Freundeskreis zu einer spannenden Geschichte verarbeitet.

Es geht um ein junges Paar in Madrid, sie die junge Jüdin Gloria (Marian Aguilera), er, Rafi, College-Professor mit palästinensischen Wurzeln (Guillermo Toledo). Sie bringt ihn nach Hause, um ihn der Familie vorzustellen, die ohne weiteres annimmt, er sei Jude – und schon beginnt eine Kette verwirrender und für den Zuschauer bei aller Problematik äusserst unterhaltsamer Missverständnisse. Auch wenn die Ereignisse nicht auf einer wahren Geschichte beruhen, sind Denk- und Verhaltensmuster, wie sie zwischen Angehörigen verschiedener Kulturen auftreten, sehr authentisch wieder gegeben.

Am Jerusalem Film Festival erhielt der Film 2005 den Mayor's Award – unter dem Motto «Die Jüdische Erfahrung» wird damit der jeweils beste Film ausgezeichnet.

13.00 Saal 2
LE CHAT DU RABBIN

Regie: Antoine Delesvaux, Joann Sfar
Frankreich 2011 / 104 Min. / F/d / ab 12 Jahren

Der Zeichentrickfilm basiert auf der gleichnamigen Comicbuch-Serie von Joann Sfar. Die Geschichte spielt 1920 in Algier. Im Zentrum steht die Katze des Rabbi Sfar. Nachdem sie dessen Papagei gefressen hat, kann sie plötzlich sprechen und stellt ihr Herrchen damit auf eine harte Probe, denn der pelzige Vierbeiner ist verlogen, frech und respektlos. Dann trifft aus Russland eine Kiste mit Büchern ein. In dieser steckt ein jüdischer Maler, der vor den kommunistischen Repressalien geflohen ist. Ausserdem kommt er nach Nordafrika, um nach dem sagenumwobenen äthiopischen Jerusalem zu suchen. Rabbi Sfar und seine Katze begleiten ihn auf seiner Reise.

Die unabhängige zeitgenössische Comicszene in Frankreich, die sich um Künstler wie Lewis Trondheim, Christopher Blain oder Joann Sfar dreht, ist sehr lebendig. Dass sich diese Zeichner auch in den Bereich des animierten Films vorwagen, liegt eigentlich nahe – ein prominentes Beispiel ist Marjane Satrapis Oscar nominiertes «Persepolis». So gründete Joann Sfar 2007 zusammen mit zwei Kollegen gleich ein eigenes Studio, «Autochenille Production», das sich bisher auf die Adaption von Comicvorlagen spezialisiert hat.

«Le Chat du Rabbin» wurde auf unzähligen Filmfestivals gezeigt und war zweimal nominiert (Annency International Animated Film Festival und European Film Award). 2012 erhielt das Werk einen César für den besten animierten Film 2012.

15.00 Saal 1
THE INFIDEL (ALLES KOSCHER)

Regie: Josh Appignanesi
UK 2010 / 104 Min. / E/d / ab 12 Jahren

Der liberale Muslim Mahmud Nasir ist Minibus-Unternehmer und lebt mit Ehefrau und Kindern in einem Vorort von London. Nach dem Tod seiner Mutter erfährt Nasir, dass er als Kind adoptiert wurde. Er stellt weitere Nachforschungen an und findet heraus, dass seine biologischen Eltern Juden sind. Die schockierende Nachricht stürzt Nasir in eine Sinnkrise, aus der er sich mit Hilfe des abgehalfterten jüdischen Taxifahrers Lenny Goldberg nach und nach befreit.

Das Drehbuch zu «The Infidel» schrieb Autor und Komiker David Baddiel für den britisch-iranischen Schauspieler und Stand-Up-Comedian Omid Djalili («Sex and the City 2», «Fluch der Karibik»). Dessen erfolgreiche BBC-Serie «The Omid Djalili Show» schaffte es unter anderem sogar ins israelische Fernsehen. Regie führte Josh Appignanesi, der mit seinem jüdisch-orthodoxen Langfilmdebüt «Song Of Songs» von der englischen Presse gefeiert wurde. Mit «The Infidel» gelang ihm ein weiterer grosser Erfolg. Herausgekommen ist eine brillante, sehr zeitgemässe Komödie, in der es nicht nur um den Islam oder das Judentum an sich geht, sondern auch um Zugehörigkeit, Identität und Toleranz.

15.00 Saal 2
USHPIZIN (HAUSHPIZIN)

Regie: Gidi Dar
Israel 2004 / 90 Min. / Hebr/e ab 12 Jahren

In der Tragikomödie «Ushpizin» gehen die Filmemacher mit Respekt, aber auch mit Humor an Probleme heran, die zwar überall, jedoch im ultra-orthodoxen Milieu mit einer ganz eigenen Charakteristik auftreten.

Die Geschichte des Films spielt um die Zeit vor Sukkot. Das Ehepaar Mosche und Mali ist nach fünf Jahren Ehe noch immer kinderlos und steckt überdies in grossen finanziellen Schwierigkeiten. So bitten sie Gott um Hilfe, doch anstelle des erhofften Wunders, das vom Himmel kommen soll, stehen zwei verdächtige Gestalten mit krimineller Vergangenheit vor ihrer Tür. Was folgt, ist im Rahmen der Story ein Appell an die Menschlichkeit, die die Grenzen von Religion und Glaube zu überwinden vermag.

Der Regisseur Gidi Dar verpflichtete für die Hauptrolle Shuli Rand, der sowohl vom israelischen Filmkritiker-Verband wie auch von der israelischen Filmakademie als bester Schauspieler geehrt worden ist. Der Film entstand in Zusammenarbeit von säkularen Filmemachern und Angehörigen der ultra-orthodoxen Gemeinschaft. Gemäss der Aussage letzterer ist es der erste Film, mit dem diese sich an ein allgemeines Publikum wenden möchte.

17.00 Saal 1
THE PRODUCERS

Regie: Susan Stroman
USA 2005 / 129 Min. / E/d / ab 6 Jahren

New York im Jahre 1959: Der einst erfolgreiche und nun vom Glück verlassene Broadway-Produzent Max Bialystock (Nathan Lane) und sein umtriebiger, aber verklemmter Buchhalter Leo Bloom (Matthew Broderick) planen den grössten Flop aller Zeiten und wollen daraus Profit schlagen. Doch wider Erwarten wird ihr Musical «Springtime for Hitler», ein Riesenerfolg und wirft Bialystocks und Blooms Pläne über den Haufen. Und als dann noch die hinreissend abgedrehte, schwedische Blondine Ulla (Uma Thurman) die (Show-)Bühne betritt, gerät alles drunter und drüber...

«The Producers» basiert auf dem gleichnamigen Broadway-Musical aus dem Jahr 2001, das sowohl in New York als auch in London erfolgreich aufgeführt, von der Kritik gefeiert und mit zwölf Tony Awards ausgezeichnet wurde. Für die Musicalfassung verantwortlich war Mel Brooks, der «The Producers» auf Basis seines gleichnamigen Films aus dem Jahre 1968 entwickelte. Für die Filmversion aus dem Jahre 2005 wurde die Broadway-Regisseurin Susan Stroman verpflichtet, die auch an der Broadway-Inszenierung beteiligt war und mit «The Producers» ihr Regiedebüt für das Kino feierte. Mel Brooks schrieb das Drehbuch gemeinsam mit Thomas Meehan, mit dem er schon bei der Adaption der Theaterfassung zusammengearbeitet hatte.

Der Film wurde u.a. 2006 für vier Golden Globes nominiert.

17.00 Saal 2
YOU DON'T MESS WITH THE ZOHAN

Regie: Dennis Dougan, Star: Adam Sandler
USA 2008 / 117 Min. / E und Hebr/d / ab 12 Jahren

Herrlich abgedreht und durch und durch politisch unkorrekt ist die Geschichte des israelischen Mossad-Topagenten Zohan (Adam Sandler). Der Kämpfe und Feindseligkeiten in seinem Land überdrüssig, inszeniert er im Duell mit seinem palästinensischen Widersacher Phantom (John Turturro) seinen Tod. So gelingt es ihm, sich nach New York abzusetzen, wo er sich endlich seinen grössten Wunsch erfüllt und Friseur wird. Alles läuft gut, bis ihn seine Vergangenheit und sein Erzfeind Phantom einholen...

An «You don’t mess with the Zohan» scheiden sich die Geister. Denn Regisseur Dennis Dougan und Drehbuchautor Adam Sandler lassen an nichts und niemandem ein gutes Haar und gehen mit Wonne und konsequent durch den ganzen Film hindurch tief unter die Gürtellinie. Herausgekommen ist dabei eine rasante und überdrehte Komödie, die sich immer wieder am Humor eines Sascha Baron Cohen (alias Ali G, alias Borat, alias Brüno) orientiert. Dass am Schluss des Films ein (vorhersehbares) Happy End und die (ebenso vorhersehbare) Versöhnung der verfeindeten Völker stehen, tut dem Sehvergnügen keinen Abbruch.

Die erste Fassung des Drehbuchs wurde bereits im Jahr 2000 geschrieben, nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wurde das Projekt jedoch mehrere Jahre zurückgestellt.

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Kino aus der jüdischen Welt